Hast du dich schon mal gefragt, warum wir denken, dass Minderheiten selber um ihre Rechte kämpfen müssen?
Komische Sache eigentlich. Wenn jemand auf der Strasse stürzt, helfen wir. Wenn jemand über Schmerzen klagt, die wir nicht kennen, glauben wir trotzdem. Aber wenn es um Rechte geht, denken wir plötzlich: «Sollen die sich doch selber drum kümmern.»
Warum eigentlich?
Wirklich nicht. Hier die typischen Gedanken, die uns beigebracht wurden:
Der Default «Minderheiten kämpfen selber» ist keine Logik. Er ist Bequemlichkeit, die als Prinzip getarnt wird.
Allies stellen sich nicht an die Spitze, sondern laufen bei etwas mit, das sie für gut und wichtig empfinden. Sie tragen einen Teil der Last mit und helfen dabei, das Zeichen zu setzen. Die Anwesenheit von Allys macht den Impact grösser und zeigt anderen Nichtbetroffenen, dass auch sie dazugehören können.
Erster, einfachster und wichtigster Schritt: Wir gehen hin. An die Demo, den Streik, die Pride. Auch wenn uns das Thema nicht betrifft oder wir uns damit nicht auskennen. Insbesondere dann, weil wir uns dann nicht aus der Opferrolle verteidigen müssen.
Werden wir auf die transparente Flagge angesprochen, was aufgrund ihrer noch neuen und recht auffälligen Idee, ab und zu passiert, erklären wir die Idee von «wir-alle.xyz» und stellen uns aber nicht in den Mittelpunkt. Wir sind ehrlich und sagen, dass wir als Verbündete dort sind und man besser jemand anderen um genauere Informationen fragt. Wenn wir selbst betroffen sind oder uns generell gut auskennen, können wir natürlich auch beides tun.
Wir sind nicht perfekt, weil niemand es ist. Ein Einsatz für eine Sache heisst nicht, dass man diese schon komplett verinnerlicht hat. Es reicht, an das Ziel oder die Richtung zu glauben. Das ist, was den Anstoss geben kann.
Sie ist ein auffällig ruhiger Protest für Solidarität, Inklusion und Verständnis. Für alle, die sich für eine positive Gemeinschaft und inkludierende Dinge aller einsetzen. Gegen Grenzen, gegen in-fighting. Harmlos und hilfreich.
Männer am feministischen Streik. Heteros an der Pride. Nichtveganer:innen an der Tierrechtsdemo. Schweizer:innen an der Demo gegen Rassismus. Autofahrer:innen am Klimastreik. Eingebürgerte Personen an der Demo für politische Gefangene im Ausland. Akademiker:innen, die gegen Klassismus aufstehen. Junge Personen, die gegen Altersdiskriminierung demonstrieren. Cis-Personen, die sich gegen Transfeindlichkeit stellen. Sehende, die für Blindenleitsysteme einstehen. Gehfähige Menschen, die für Rampen kämpfen. Hörende, die Gebärdensprache lernen. Gutverdienende, die höhere Mindestlöhne fordern. Stadtbewohner:innen, die sich für ländliche Anliegen interessieren. Menschen vom Land, die für queere Jugendliche in der Stadt einstehen. Atheist:innen, die religiöse Minderheiten verteidigen. Christ:innen, die für Religionsfreiheit eintreten. Jüd:innen, die sich gegen antimuslimischen Rassismus stellen. Nichtjüd:innen, die gegen Antisemitismus aufstehen. Eltern, die für kinderfreie Lebensentwürfe Verständnis zeigen. Kinderlose, die für bessere Familienpolitik stimmen. Gesunde, die für ein besseres Gesundheitssystem demonstrieren. Menschen ohne psychische Erkrankung, die gegen Stigmatisierung aufstehen. Neurotypische, die sich für Autist:innen einsetzen. Dünne Menschen, die sich gegen Bodyshaming wehren. Junge, die für bessere Altersvorsorge stimmen. Alte, die für die Anliegen der Jungen auf die Strasse gehen. Männer, die über häusliche Gewalt sprechen. Frauen, die Männern Raum geben, über ihre psychische Gesundheit zu reden. Festangestellte, die für die Rechte von Sexarbeiter:innen einstehen. Versicherte, die für Menschen ohne Krankenkasse kämpfen. Wohnungsbesitzer:innen, die gegen Mietwucher demonstrieren. Mieter:innen, die für genossenschaftliches Wohnen stimmen. Erwachsene, die für Kinderrechte einstehen. Menschen ohne Tiere, die gegen Massentierhaltung unterschreiben. Inländer:innen, die sich für Sans-Papiers einsetzen. Westeuropäer:innen, die globale Gerechtigkeit fordern. Wohlhabende, die für eine Erbschaftssteuer stimmen. Kernfamilien, die Regenbogenfamilien verteidigen. Cis-Frauen, die trans Frauen als Schwestern sehen. Weisse, die Schwarzen Stimmen zuhören. Erwachsene, die Greta Thunberg ernst nehmen.
Du bist nach diesem grossen Absatz angelangt. Das ist wunderbar. Menschen wie die in dieser nicht abgeschlossenen Liste gibt es schon und gemeinsam können wir noch mehr davon werden.