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Warum Sichtbarkeit wichtig ist.

Einer der Gründe, warum wir alle auch an grosse, womöglich «gesättigte» oder «nur noch kapitalistisch angetriebene» Demonstrationen und Veranstaltungen gehen, ist «Sichtbarkeit zu unterstützen». Das stellt natürlich die Frage in den Raum, warum Sichtbarkeit wichtig ist. Gerade in einem Land wie der Schweiz, wo Gesetze und Schutz vergleichsweise fortschrittlich sind, scheinen solche Veranstaltungen womöglich unnötig.

Es ist eine traurige Wahrheit, dass auch in der Schweiz noch viel Alltagsdiskriminierung geschieht. Dass auch hier Potential für Rechtsrutsche besteht. Dass auch viele Schweizer:innen wenig bis nichts über queere Lebensweisen wissen. Und schliesslich, dass auch bei uns de facto Standards existieren, aus denen auszubrechen je nach Kontext, schwierig bis unmöglich ist. Anders zu sein ist nie einfach, aber zu sehen, dass es andere gibt, die auch irgendwie anders sind, kann das Selbstwertgefühl retten.

Das Ziel ist, dass es keine Demonstrationen mehr geben muss.

In einer Welt, wo wir kein Wort wie queer mehr benötigen, weil jedes Individuum valide ist, wird es auch keine Demos mehr geben. Es benötigt keine aktivistische LGBTAIQ+Community, wenn Anderssein keine negativen Auswirkungen auf das Leben hat. Und Sichtbarkeit kann da ein zentrales Werkzeug sein.

Communityblind denken wir manchmal, dass man «uns» und unsere Anliegen überall kennt. Wir haben aber gar keine Berührungspunkte mit den Personen, die noch nie die Worte queer, LGBTAIQ+, CSD oder Pride gehört haben. Das dürfen wir nicht vergessen. Es gibt weiterhin viele Menschen, die noch keine Berührungspunkte mit queeren Personen hatten. Auch, weil diese in der (Pop-)Kultur viel weniger sichtbar sind und auch nicht gemacht werden. Natürlich ist das in den letzten Jahren viel mehr geworden und wird auch immer mehr. Angekommen sind wir aber noch nicht.

Zu sehen, was und dass es alles gibt, normalisiert und neutralisiert.